Günter Schiwy: Masure durch und durch.

Ich bin in meinem innersten Herzen Pruße, Preuße, Masure, Ostpreuße und damit Deutscher! Und darauf bin ich stolz! Diese heimatliche Bindung zur Scholle hat mich bewogen, Masuren zu lieben. Ich habe meine Heimat verloren, darf in ihr nicht mehr leben und war so gezwungen, in der “Fremde” neue Wurzeln zu treiben. Vielleicht unterliegen diesem zwanghaften Wandel alle, die aus ihrer Heimat vertrieben, aus ihrem behüteten Lebenskreis herausgerissen wurden. Für mich jedenfalls bedeutet die schmerzliche Annexion Masurens, und damit des wahren Ostdeutschlands, den Verlust eines meiner kostbarsten Güter, nämlich meiner angestammten Heimat!“

Mein Geburtsort ist Kreuzofen in Ostpreußen. Dieser Ort lag nur 12 km von der deutsch-polnischen Grenze entfernt. Das Dorf befand sich im Herzen der Johannisburger Heide am Niedersee im evangelischen Masuren im Städtedreieck Ortelsburg-Sensburg-Johannisburg. Es war ein typisch masurisches Fischer- und Walddorf mit 511 Einwohnern. Die Häuser des Ortes bestanden fast ausschließlich aus dem heimatlichen Holz, deren Dächer mit roten Dachpfannen gedeckt waren. Hier erblickte ich am 26. September 1928 als ältestes Kind des Forstgehilfen Albert Schiwy und seiner Ehefrau Gertrud, geborene Sayk, das Licht der Welt. Dies ist der Ort, an den es mich immer wieder zurückzieht.

Nach dem Stammbaum gehört der Name Schiwy einer alten traditionsbewussten prußisch-preußisch-masurischen Familie an. Meine Vorfahren waren Prußen und gehörten zum Stamm der Galinder. Der Name Schiwy kommt vom prußischen Schiwas und bedeutet der graue Mann, der Weise, der Weissager. Einige meiner Vorfahren waren Wildnisbereiter. Dem Wildnisbereiter der damaligen Zeit entspricht heute der Beruf des Försters. Auch mein Berufswunsch war es, Förster in den masurischen Wäldern, meiner angestammten Heimat zu werden. Die Zusage, meine Ausbildung in der Försterei Hirschhagen zu absolvieren, lag bereits vom Landesforstamt Königsberg vor.

Aber durch die Kriegsereignisse bedingt, kam alles anders.

Die Flucht verschlug meine Mutter, meine 4 Geschwister und mich nach Lübeck. Ostern 1947 legte ich an der Alten Stadt-Mittelschule in Lübeck meine Mittlere Reife ab, weil ich als ältester Sohn für den Lebensunterhalt der Familie sorgen musste. Bis September 1949 lernte ich Großhandelskaufmann in Lübeck, wo ich anschließend bis Mai 1953 als kaufmännischer Angestellter tätig war.

Nach einer dreijährigen Ausbildung von 1953 bis 1956 war ich als Zollbeamter des gehobenen Dienstes (Diplom-Finanzwirt) bei den Oberfinanzdirektionen Düsseldorf und Kiel beschäftigt. 197o legte ich als Externer mein Diplom als Betriebswirt in Stuttgart ab. Von 1972 bis 1989 arbeitete ich in der Steuerabteilung des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland als Leiter der Verrechnungsstelle für Kirchensteuern der Landeskirchen in Hannover. Seit 1990 lebe ich in Hannover im Ruhestand, jedoch ruhe ich nicht:

Mein Schreiben weckt in mir tausend tief schlummernde Fragen auf, die ans Tageslicht, unter die Menschen müssen. Als Erlebnisbeteiligter möchte ich die masurische Kultur und Geschichte vor dem Vergessen bewahren!“

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